Die wollen nicht nur spielen! Mehr gibt's hier: Graphiti ...
Ausnehmezustand. In den Nachrichten ist zu hören: "Bei den morgen beginnenden Warnstreiks im Öffentlichen Dienst will die Gewerkschaft ver.di die Winterdienste ausnehmen." Wahrscheinlich nicht nur die Winterdienste. (2. Februar 2010)
Ordnungswerk. Wie preist der amtliche Deutsche im Radio-Interview ein riesiges, ein phantastisches, ein noch nie dagewesenes Feuerwerk zur Feier des Ruhrreviers als „Kulturhauptstadt Europas“? So, wie man sich das hätte denken können (aber sich eigentlich - political correct - nicht mehr traut): „Es ist das größte Feuerwerk, das unser Ordnungsamt je genehmigt hat.“ (4. Januar 2010)
Verabstimmt. Was für ein Blödsinn geredet wird, auch (und gerade?) für die gute Sache! Dauernd hört man nach dem Votum der Schweizer gegen die Errichtung von Minaretten, über Menschenrechte (Religionsausübung) könne man nicht abstimmen. Wie bitte sind denn die Menschenrechte in Erklärungen, Verfassungen, Gesetze etc. gekommen? Vom Himmel gefallen? Durch Geisterhand? Durch Diktat? Natürlich durch Mehrheitsbeschlüsse, also doch wohl durch Abstimmungen. Oder wie? (7. Dezember 2009)
Sehr eigentümlich. Was will uns die "Rheinische Post" damit melden? Etwa daß Hrdlicka aus reinem Eigensinn und eigenartig gestorben ist? (7. Dezember 2009)
Prozeß pervers. Der Prozeß gegen den ukrainisch gebürtigen KZ-Arbeiter John (Iwan) Demjanjuk hat etwas bedrückend Perverses. Denn: "Nach Abschluss einer vierjährigen Schulzeit arbeitete Demjanjuk als Traktorist in einer Kolchose. 1940 wurde er von der Roten Armee eingezogen. Im Mai 1942 geriet er auf der Krim in deutsche Kriegsgefangenschaft. Demjanjuk kam in ein Kriegsgefangenenlager bei Chełm, wo er sich als sogenannter Hilfswilliger rekrutieren ließ. Er wurde im SS-Außenlager Trawniki ausgebildet und anschließend von der SS vereidigt. Seine erste Aufgabe war die Bewachung jüdischer Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft. Kurz darauf war er im KZ Majdanek tätig, welche genaue Aufgabe er dort hatte, ist nicht geklärt. Am 27. März 1943 wurde er in das Vernichtungslager Sobibor abkommandiert, wo er als einer von etwa 130 Hilfswilligen unter dem Kommando von 20 bis 30 Deutschen gedient haben ... soll." Soweit die Zusammenfassung in Wikipedia. Das heißt: Die Deutschen, die einst Demjanjuk zu ihrem Gefangenen machten, die ihn zum Dienst und zur Gewalt und zur Unmenschlichkeit zwangen oder verführten, die ihn ausbildeten und ihm befahlen, die machen ihrem Opfer, einem mittlerweile 89-jährigen, nach 66 Jahren den Prozeß statt sich selber! Wie hieß das berühmte Wort? "Furchtbare Juristen"? Ja, genau, so hieß es. (1. Dezember 2009)
Die Gerechten, Teil 1 Daß mit dem ehemaligen ukrainischen KZ-Schergen John (Iwan) Demjanjuk ein 89-jähriger hinfälliger Greis noch vor Gericht gestellt bzw. gelegt wird, hat auch viele links-liberale Prominente empört. Woody Allan sagte: "Niemand wird besser schlafen, nur weil John Demjanjuk im Gefängnis sitzt." Außerdem sei er resozialisiert, denn: "Er kann nicht in die USA einreisen, er hat seit Jahren als normales Mitglied der Gesellschaft gelebt, er hat nichts mehr gemacht. Jetzt, im Alter sollte man ihn in Ruhe lassen." Auch der deutsche Filmemacher Volker Schlöndorff äußerte sich ähnlich: Es sei geradezu alttestamentarisch, Demjanjuk nach so langer Zeit noch festzunehmen. Selbst für Terroristen, "die Tote auf dem Gewissen haben", gebe es Verjährungsfristen, so Schlöndorff. "Inzwischen hat er selbst Kinder und die werden mit abgestraft, bis ins zweite und dritte Glied. Was soll man denn machen? Ihn täglich öffentlich auspeitschen vielleicht?"
Die Gerechten, Teil 2 Ja, Sie haben es natürlich bemerkt: Allan und Schlöndorff haben über Roman Polanski (76) gesprochen und nicht über John Demjanjuk (89). (1. Dezember 2009)
Das Tier. Die Tierinnen? Phoenix in der Asche! Phoenix ist der "Ereignis- und Dokumentationskanal der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten". Da ist es angemessen, ein Ereignis bei der Übertragung vom SPD-Parteitag zu dokumentieren. Spricht doch der Kommentator von den "Mitgliederinnen und Mitgliedern"! Asche auf das Haupt von Phoenix, das ist doch komplett panne. Wer das nicht gleich verstehen will und politisch korrekt findet: Es ist "das Mitglied", und von einem Neutrum gibt es weder einen maskulinen noch einen femininen Plural, es handelt sich also um kompletten Blödsinn von Menschen mit dem Gut-Brett vorm Kopf. Wie so oft ist "politisch korrekt" gleichbedeutend mit peinlichem Kokolores. (14. November 2009)
Überraschung! Da sind wir echt und angenehm überrascht, als uns heute morgen der Kollege Moderator mitteilt, daß "der Verteidigungsminister überraschend in Kabul zu einem Überraschungsbesuch eingetroffen ist". Der überraschende Überraschungsbesuch – da kann man mal sehen, wie groß die Geheimhaltung gewesen sein muß! Vorbildlich! (12. November 2009)
Wir gedenken dem Genetiv. Man muß wissen, wann es Zeit ist, sich geschlagen zu geben. Gegen die massive "Rettet-dem-Dativ-Kampagne" kommen wir doch nicht an. Die Fraktion des Demlichen ist einfach stärker. Unendlich stärker. Im nationalen Qualitätsradio (mehrfach): "Wir gedenken dem Ende des Ersten Weltkriegs". Im Text des nationalen öffentlich-rechtlichen Fernsehen(s): "Die Fans gedenken ihrem Helden" (Robert Enke); im Morgen-Fernsehen dito der Bericht aus Hannover: Ballack & Co "haben im Gottesdienst ihrem Kameraden gedacht". SPD-Mann Heil im Bundestag: "Ich kann mir des Eindrucks nicht erwehren, dass ...". Alles in knappen 24 Stunden, und das ist nur das, was ich nebenbei hören und sehen durfte. (12. November 2009)
Schussmann. In Radio und Fernsehen ist die Aussprache nicht ganz unwichtig. Sprach doch letztens ein Nachrichten-Sprecher von "der internationalen Schusstruppe in Afghanistan"; gemeint war höchstwahrscheinlich die Schutztruppe – aber wer kann sich da schon sicher sein. (11.11.2009)
Trauerspiel. Über die Toten nichts oder nur Gutes. Aber was ist mit den so leidenschaftlich Trauer zelebrierenden Fans des Tormanns Enke? Abseits pfeifen! Aus einem Mann einen Helden und Märtyrer machen, der für seine kleine Adoptivtochter nicht mehr da ist, der sich nicht mehr um das Dutzend Hunde kümmert, die er aus Tierliebe bei sich aufgenommen hat, ein Mann, der seine Frau mit all dem allein läßt und einem unglücklichen Lokomotivführer ein lebenslanges Trauma beschert? Enke, ein armer Kerl, gewiß, aber warum die geile Jubeltrauer? Ein abstoßendes Trauerspiel. (11. November 2009)
Heldentod. Im US-Stützpunkt Fort Hood hat ein Irrer 13 wehrlose Menschen durch wahlloses Trommelfeuer erschossen. Zur Beisetzung kommt der Präsident Obama und erklärt die Toten zu Helden. Man ist ein Held, wenn man von einem Psychopathen hinterrücks gemeuchelt wird? Was für ein Unsinn! Sinn macht das nur, wenn man Menschen das Sterben (fürs Land) versüßen und verklären will Wie sagte James Bond in "Goldfinger? "Widerlich, einfach widerlich". (11. November 2009)
Compassion. Bei der abendlichen Trauerandacht für den unglückseligen Tormann Enke predigt die Protestanten-Chefin, die Bischöfin Käßmann, und sagt (effektvoll zögernd, suchend): es brauche "Empathie, Compassion (deutsch ausgesprochen), Mitleid". Daß sich die Kirche des wortgewaltigen Martin Luther so affektiert und spitzfingrig an die Sprache des Volkes raneiert, auch das erklärt die Lage dieser Konfession. (11. November 2009)
Vereinigter Staat von Amerika. Auch mit den USA ist das so eine Sache. Es gerät offensichtlich in Vergessenheit, daß diese Abkürzung für einen Plural steht. Deshalb lesen und hören wir: Die USA hat erklärt, die USA bereitet sich vor, die USA wählt den Präsidenten usw. Ist es nur flagrante Blödheit oder steckt Absicht dahinter – die USA kleinmachen? (10. November 2009)
KG Wird Egon Krenz, der letzte DDR-SED-Führer, rehabilitiert? In vielen Sendungen zum Mauerfall vor 20 Jahren hört man jetzt von der "Krenz-Öffnung". Oder liegt es nur an der schlampigen Aussprache, bei der sich G wie K anhört? (9. November 2009)
Unter Oberdeppen. Es ist ja bekannt, daß die Rechtschreibreform gemacht worden ist, damit den Sprach-Deppen weniger Fehler angestrichen werden können. Damit hat man aber das Deppenhafte nur gesteigert. Lese ich doch kürzlich in meinem geliebten öffentlich-rechtlichen Video-Text: "Grippeimpfung für unter Dreijährige". Für unter Dreijährige? Ein Irrenhaus. (2. November 2009)
Dummweltpreis. Deutscher Umweltpreis für den Bundespräsidenten Horst Köhler? Das ist ja eine tolle Sache! Aber warum bloß hat er den bekommen? Ganz einfach, weil die Video-Text-Leute vom einäugigen ZDF ihre eigenen Meldungen nicht lesen oder begreifen. Erhalten oder verleihen – wo ist denn da der Unterschied!? Beim ARD-Text ist es leider nicht besser. (26. Oktober 2009)
Verwischt. Frühmorgens im Radio, ich sage nicht wo, der Bericht über den Streik der Putzfrauen und -männer. Eine Streikende sagt: „Wenn man einen Hund so lange tretet, dann beißt er irgendwann zurück.“ Und die Reporterin spricht von der „Gebäudigereinigerbranche“. Vielleicht sollte man trotz Streik mal die Sprache saubermachen. (20. Oktober 2009)
Zum Henker. Ein norddeutscher Rundfunksender, über dessen nachlassende Qualität man sich schon seit Jahren Gedanken machen muß, meldet in den Nachrichten, daß die Kompetenzen des Bundesbank-Vorstandes Thilo Sarrazin beschnitten werden sollen und fügt hinzu, der Mann habe sich abfällig über Türken und Araber in Berlin geäußert und damit „bundesweit für Entrüstung“ gesorgt. Wenn das eine Nachricht sein soll, dann ist sie falsch. Er hat bundesweit für Zustimmung und Entrüstung gesorgt, und wenn man melden will, wofür er vor allem gesorgt hat, dann hätte es heißen müssen: „bundesweit für Zustimmung gesorgt“. Es ist eine Schande, wie das Nachrichtenhandwerk auf den Hund kommt, wie Nachrichtenredakteure immer ungenierter versuchen, ihre Meinung, ihre politischen Ziele als objektive Fakten zu verkaufen. Apropos: „Nachrichter“ war in alten Zeiten die Bezeichnung für den Henker. (13. Oktober 2009)
Cherchez l'argent. Der französische Kulturminister Mitterand hat offenbart, daß er als Sextourist thailändische Jungs für entsprechende Dienstleistungen bezahlt, also gekauft habe. Aber die Jungs seien nur wenig jünger gewesen als er und außerdem hätten sie ihr Einverständnis zu erkennen gegeben. Ja klar, auch für das Einverständnis wird doch gezahlt. Was für eine Verarsche. (10. Oktober 2009)
D-Day. Der mit dem Provinzfriedensnobelpreis geehrte US-Präsident Obama erklärte, er empfinde Demut. Igitt – schwülstige Eitelkeit, fast ekelhaft. (9. Oktober 2009)
Provinznobelpreis. Der Friedensnobelpreis wird von einem 5-köpfigen Komitee norwegischer Politiker vergeben, die das norwegische Parlament ernennt. Norwegen hat nicht ganz 5 Millionen Einwohner. Der Preis ist provinziell, beliebig, unerheblich. Das einzig Große ist die Preissumme: 1 Million Euro. Aber mehr ist er einfach nicht wert. (Gilt auch für den Literaturnobelpreis, den 18 schwedische weltweit unbedeutende, unbekannte Literaten mit Mehrheit auskegeln.) (9. Oktober 2009)
Torwegen. Friedensnobelpreis für Barack Obama? Naiv. (9. Oktober 2009)
Märheiten. Fällt Ihnen bei diesem Tagesschau-Bild etwas auf? Ja natürlich: die schöne Sprecherin, die verschämt auf ihre Blätter guckt. Und warum schlägt sie den Blick nieder? Vielleicht ist auch sie peinlich berührt von einer Grafik, die eine Partei mit einem Wahlergebnis von 18,5 % über eine Partei mit 31,2 % stellt. Auch gegen das Alphabet. (1. Oktober 2009)
Hilfe! Da muß man erstmal draufkommen. Nach dem Tsunami im Pazifik meldet einer der privaten TV-Sender: "Jetzt rollt die Hilfswelle an!" (30. September 2009)
Mantra. Staatsknete für (New) Opel? Konkursverschleppung. Nichts weiter. (26. September 2009)
Fehlender Kanal. In Istanbul haben Regenfluten viele Menschen getötet und große Schäden angerichtet. Das Nachtjournal des bei Information ansich ziemlich fitten RTL-Fernsehens weiß, daß die Ursachen in der Vergangenheit liegen: "...damals sind die fehlenden Kanäle entstanden." (12. September 2009)
Gut gegeben. Ein deutschlandweites Radio berichtet in den Nachrichten von einem durch die Bundeswehr veranlaßten Luftangriff in Afghanistan und bilanziert: "Dabei hat es gut 50 Tote gegeben." Gut? (5. September 2009)
Wegruf. Nach Landtagswahlen, die füt die Kanzlerin-Partei CDU gar nicht gut ausgingen, hörte ich den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch sagen, dies sei ein Wegruf gewesen. Ich brauchte tatsächlich einige Zeit, bis mir aufging, daß er Weckruf meinte. (2. September 2009)
Dienstschußfahrt. Dieter Althaus, der Ministerpräsident des Bundeslandes Thüringen, hat im Skiurlaub einen Unfall verursacht, bei dem eine Frau und Mutter zu Tode kam. Die Skifahrt von Althaus war sicher keine Dienstfahrt. Warum also legt der Mann am Grab seines Opfers Kränze nieder (läßt niederlegen), auf deren Schleife nicht nur "In tiefer Trauer" und "Dieter Althaus" steht, sondern dies: "Familie Dieter Althaus / Thüringer Ministerpräsident"? Das ist doch bodenlos. Was hat Thüringen, was hat das Amt des Ministerpräsidenten mit dem Skiunfall zu tun? Und: Ist auch die Familie "Thüringer Ministerpräsident"? Was ist das für eine verbockte, widerwärtig verhuddelte Trauer, die, wenn redlich und ehrlich, doch privat zu sein hätte. Da fragt man sich ja sogar, wer wohl den Kranz bezahlt hat. (22. August 2009)
Niemand hat die Absicht, einen Dativ zu bauen. Zum Tag des Mauerbaus ist der Axel-Springer-Verlag, ist unsere geliebte Bild-Zeitung besonders berufen. Also in Bild.de der große Bericht, überschrieben: "Berlin gedenkt den Maueropfern". Berlin bleibt doch Berlin. (14. August 2009)
Infopainment. Bei fast allen Fernsehmorgenmagazinen hat sich ein aufgesetztes Heißa-Getue etabliert, das zum Blödesten gehört, was einem TV derzeit bietet. Journalisten spielen Comedian. Das können die (meisten) einfach nicht, peinlich. Oberpeinlich, wenn es sich mit der knappsten Viertelbildung paart. Gerade gesehen & gehört, wie eine verkrampft überdrehte Juchhu-Moderatorin zu Piraterei in Europa wissend bemerkt: "... also nicht nur am Kap Ho(o)rn." Na, das wäre was, wenn die Bundeswehr dort im Einsatz wäre statt am Horn von Afrika. Tödliche Lächerlichkeit. (12. August 2009)
Der Letzte: Kürzlich kommentiert in "Zur Sache", WDR 4. Klicken Sie einfach ins Blaue!
Auf den Hund gekommen. In den Dritten TV-Programmen Deutschlands läuft eine Reihe "Reisewege", bei meinem Haus- und Lieblingssender ressortiert sie unter "Wissen". In der Folge "Devon – Sprungbrett zur Seeherrschaft" hapert es allerdings mit dem Wissen. Wir lesen im Programmhinweis: "Arthur Conan Doyle stieß dort auf die Sage der Whist Dogs und schrieb seinen Roman 'The Hound of Baskerville'." Da fällt sogar Dr. Watson auf der Stelle in Ohnmacht. Denn es weiß doch jedes Kind, daß Conan Doyles Roman "The Hound of the Baskervilles" heißt und falsch ins Deutsche übersetzt wurde: "Der Hund von Baskerville". Daß der den Film produziert habende "Saarländische Rundfunk" den nun auch noch falsch ins Englische zurückübersetzt, das ist eine so geheimnisvolle Schurken-Tat, daß auch Sherlock Holmes ratlos zum geliebten Kokain greifen dürfte. (4. August 2009)
Samthosen. Bild und die Schwester BamS können grob zulangen und brutal gemein sein, haben aber durchaus auch einen Sinn für feine Sticheleien. So berichtet Bild am Sonntag über den Promi-Auftritt der Frau Justizminister Zypries bei den Bayreuther Festspielen, nachdem diese wenige Tage zuvor amtlich ein Adoptionsrecht für schwullesbische Paare gefordert hatte: "Gegen 15 Uhr erscheint Bundesjustizministerin Brigitte Zypries in Begleitung der Berliner Literaturagentin Karin Graf – und in Samthosen. 'Ich trage auch sonst keine Kleider', sagt sie und dass sie es gut findet, dass der Grüne Hügel jetzt in Frauenhand ist." (26. Juli 2009)
Der Aufsehenerregende: Kommentar "Zur Sache" in WDR 4 über Franz Müntefering im absurden Wahlkrampf.
Tristan und äh, hmm, tja. Hauptsache richtiges Bewußtsein, Hauptsache Gag. Fakten sind heutzutage nicht mehr so wichtig, Baby Schimmerlos hat das Sagen. Also die EPG-Ankündigung der ARD-Tagesthemen am Tag der Eröffnung der Bayreuther Festspiele 2009: "Bayreuther Festspiele zum ersten Mal in Frauenhand." Die Urgroßmutter der jetzigen Chefinnen, Cosima Wagner, die Tochter von Franz Liszt und Gemahlin Richard Wagners, führte nach dessen Tod (1883) die Festspiele bis zum Jahr 1906, also mehr als 20 Jahre. Merke: Die Macht von Frauen ist keine Erfindung der Neuzeit, auch wenn Tagesthemen nicht über bzw. vor den Tag hinaus schauen können. (25. Juli 2009)
Staatistick. Ob die Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) etwas vom Recht versteht, möchte ich nicht beurteilen.Von Statistik hat sie jedenfalls keine Ahnung. Sie hat eine Studie bestellt, mit der sie beweisen will, daß schwullesbische Partnerschaften Adoptionsrecht bekommen sollten. Öffentlich behauptet die ahnungslose Frau Minister, die Studie sei überdurchschnittlich repräsentativ, denn: “Bereits eine Befragung von 1 % der Zielgruppe gilt gemeinhin als repräsentativ.“ Also 1 von 100? 10 von 1000? So was regiert (uns)! (23. Juli 2009)
Der galante & charmante Kommentar "Zur Sache" in WDR 4: Eva Köhler: Nicht gewählt - und trotzdem im Amt.
Digitalfahrt. Das zu recht so genannte "Zweite Deutsche Fernsehen" (ZDF) hat mit großem Brimborium ein virtuelles, digitales Studio für seine Nachrichtensendung "Heute" eingeführt und befeiert. Als ob das wichtig sei: Die Nachrichten, die News-Filme sind doch dieselben. Zum Beispiel am Premierentag der neuen Nachrichtenkulisse der Film über Proteste orthodoxer Juden in Israel. Als die auf den Straßen Dinge in Brand setzen, fragt der ZDF-Reporter (Christian Sievers!) mißbilligend aus dem Off, ob so was wohl auch in der Bibel stünde? In der Bibel? Für orthodoxe Juden? Das ist so virtuell, daß es auch digital nicht zu retten ist. (17. Juli 2009)
Rettet dem Akkusativ! Eine Moderatorin interviewt Marie-Luise Beck von den Grünen und fragt: "Mutet Ihnen das nicht auch merkwürdig an, dass ..." Ihnen?! Da fällt einem doch sofort die schöne Ente-Lippens-Geschichte ein, eine der Fußball-Legenden! Schiedsrichter: "Ich verwarne Ihnen!" Ente Lippens: "Ich danke Sie." (10. Juli 2009)
Günstig. Große Erregung im Rems-Murr-Kreis, nahe Stuttgart. In der Großen Kreisstadt Fellbach, die mit bestens ausgestatteten öffentlichen Einrichtungen für Kultur, Tagungen, Freizeit und Fortbildung wirbt, bietet ein Bordell eine Flatrate an: "Sex mit allen Frauen / So lange du willst / So oft du willst / Und wie du willst!" Kostenpunkt 70 Euro. Wie gesagt: Große Empörung. Ein Landtagsabgeordneter der CDU äußert: "Der günstige Preis legt den Verdacht nahe, dass die häufig unbedarften Frauen ausgenutzt werden." Der günstige Preis? Was zahlt man denn sonst so? Und was wäre denn der richtige Preis, bei dem nicht mehr ausgenutzt wird? Fragen Sie Ihren Abgeordneten. (3. Juli 2009)
Nachäffen. Auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" bringt ab und zu Falschmeldungen. Jetzt diese: "Junge Affen lachen wie Kleinkinder". Das ist natürlich grober Unfug. Richtig muß es – zumal im Darwin-Jahr 2009 – heißen: "Kleinkinder lachen wie junge Affen". (4. Juni 2009)
Potzdam. Es gibt genervte Menschen, die behaupten, beim Video-Text der ARD (gemacht im schönen Potsdam) sei solide Unsicherheit in Orthographie und Grammatik eine der Einstellungsvoraussetzungen. Das stimmt überhaupt nicht, auch wenn man so ungefähr jeden zweiten Tag tatsächlich den Eindruck haben könnte. (8. Mai 2009)
Kaputt. Einer meiner Hunde hat durch Kampf und Krankheit beide Augen verloren. Ein Bekannter, der im Rahmen von Familienfeierlichkeiten Gast im Hause ist, fragt kregel ob der eitlen Lässigkeit: "Ist das der kaputte Hund?" Keine Frage ist, wer und was tatsächlich kaputt ist. (4. April 2009)
Ein bißchen Selbstschuß. Der SPD-Ministerpräsident des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, hat die gute alte DDR in Schutz genommen: "Ich verwahre mich dagegen, die DDR als totalen Unrechtsstaat zu verdammen, in dem es nicht das kleinste bißchen Gutes gab", sagt der Genosse. Und fügt eine geradezu irre Verschlimmbesserung hinzu: Allerdings habe es keine Kontrolle durch unabhängige Gerichte gegeben – "Insofern hat zur DDR immer auch ein Schuß Willkür und Abhängigkeit gehört." Ein Schuß Willkür? Etwa aus den Selbstschußanlagen? (23. März 2009)
Koma nach Amok. Der für den Amok-Ort Winnenden territorial zuständige Fernsehsender SWR (Südwestrundfunk) zeigt kurz nach dem Massaker, am Samstagmorgen, einen Spot für eine Sondersendung über dieses die ganze Nation erregende und bestürzende Ereignis, über das halbmastgewürdigte Erschießen von 15 Menschen plus Täter. Der gleich darauf folgende Trailer bewirbt die Fußballberichterstattung am Wochenende mit dem schönen Slogan "Hier wird scharf geschossen". Wie nennt man das? Programmkoordination? Selbsttor des Monats? Koma nach Amok? (14. März 2009)
Eintrag ins Klassenbuch: Man geht nicht zur Schule. Man geht zu Lehrern. (22. Februar 2009)
Päpstlicher. Kanzlerin Merkel und die Bild-Zeitung haben die hübsche Schlagzeile "Wir sind Papst" offensichtlich mißverstanden. (4. Februar 2009)
Äh ... In Deutschland spricht man bekanntlich englischer als englisch, man denke an Händy. Deshalb hieß der afrikanische UN-Generalsekretär hierzulande auch anders als er selber meint, nämlich nicht Kofi Annan, sondern Kofi Ännän. Dasselbe Schicksal erleidet im Land der Ober-Opportunisten Barack Obama. Der wird (auch in Funk & Fernsehen) nicht so genannt wie er und seine Frau es tun (Barack), nein, es muss Bäräck sein, wenigstens noch Bärack oder Baräck. Wieder ein Fall fürs Fremdschämen mit Ä. (1. Februar 2009)
O, Bama! So müßte der Mann in Deutschland eigentlich geschrieben werden, nach dem Bohei, den die Deutschen um den neuen amerikanischen Präsidenten veranstaltet haben, Wie sagte Churchill einst: Die Deutschen hat man entweder am Hals oder zu Füßen. (26. Januar 2009)
Gleisbett. Bei allem Respekt vor den allerletzten Dingen: Wohin es in Deutschland nun gekommen ist, zeigt sich u.a. daran, daß ein mehrfacher Milliardär sich vor ein öffentliches Verkehrsmittel werfen muß und sich die Beförderung vom Leben zum Tod so auch noch erschleicht. Das ist echt tragisch. (6. Januar 2009)
Der Beistrich. Wie wichtig trotz der blödsinnigen Rechtschreibreform der Beistrich (vulgo: Komma) ist, läßt sich mit der folgenden Tagesschau-Online-Meldung zeigen: "Im Kampf gegen das Verbrechen will Amsterdam zahlreiche Bordelle und Haschisch-Cafés in der historischen Altstadt schließen. Die Stadt will so gegen Gewerbe vorgehen, die zur organisierten Kriminalität beitragen, und das Stadtzentrum für Touristen aufwerten." Und hier eine Fassung, bei der wir das letzte Komma einfach mal weglassen und uns fragen, ob das so nicht auch irgendwie stimmt: "Im Kampf gegen das Verbrechen will Amsterdam zahlreiche Bordelle und Haschisch-Cafés in der historischen Altstadt schließen. Die Stadt will so gegen Gewerbe vorgehen, die zur organisierten Kriminalität beitragen und das Stadtzentrum für Touristen aufwerten." (10.12.2008)
Kotzblitz! Ich habe ihn gehört! Den Freud'schen Versprecher der CDU-Vorsitzenden Merkel. In ihrer großen Stuttgarter Parteitagsrede sprach sie auch den hessischen Ministerpräsidenten an, und zwar so: "Lieber Roland Kotz - (Pause, Entsetzen im Saal) - Koch ..." Auweia! Mal sehen, wie lange es bis zu You Tube dauert. Kochs Gegner liegen derweil zwar am Boden, aber nun auch vor Lachen. (1.12.2008)
Wann kommt der Baby-Sack? Zum Frühstück wird in der Zeitung gemeldet, Müllmänner hätten in einer Bio-Tonne ein totes Neugeborenes gefunden. Ja, das paßt: In Deutschland werden zwar massenhaft Kinder getötet (Abtreibung) und viele weggeschmissen (nachgeholte Abtreibung), aber sie werden als Bio-Müll jedenfalls korrekt entsorgt. Fehlt nach der Baby-Klappe eigentlich nur noch der Baby-Sack – rosa und hellblau. (13.9.2008)
Sehstörung. In der Debatte um Jugendgewalt mit "Migrationshintergrund" wird von Politiker(inne)n auch geraten, nicht wegzusehen, hinzuschauen. Noch nichts davon gehört, daß der deutsch-orientalische Ruf vorm Zuschlagen/-treten/-stechen so lautet: "Waskuckstdu!!!"? (13.1.2008)
z.B. eins der allzeitschönsten & wahrsten Bilder aus dem Netz!
Nicht nur zur Weihnachtszeit ... Hier! Neu: Die Maigret-Gesamtausgabe bei Diogenes. Tolle Sache. Und noch toller: mit einem verlegerischen Blackout, der nach Knast schreit!
Mehr als 100 beste Movies mit Plakat und Kurzkritik? 500, die man einmal im Leben gesehen haben muß? Sowie der allerbeste Film allerZeiten? Hier klicken!
Endlich!!! »Perry Mason« auf DVD.
Die Paramount hat den langanhaltenden Klagerufen endlich nachgegeben und im Februar 2009 die erste DVD der epochalen Krimi-/Gerichtsserie um den Hollywood-Anwalt Perry Mason herausgegeben: 19 von insgesamt 271 TV-Folgen, original ausgestrahlt von CBS in den Jahren 1957-1965.
Die Serie ist legendär, ist die Mutter aller Serien mit ermittelnden Anwälten und den raffinierten Showdowns vor Gericht, also Aufklärung und Rechtsfindung in einem. Das heißt, es ist clever gemachte, vertrackt spannende Unterhaltung in angenehmer Länge (weniger als eine Stunde), zugleich auch die moralisch stärkende Lösung allfälliger menschlicher Konflikte.
Die ganze Serie von höchst professioneller amerikanischer Spitzenklasse, großartiges Ensemble, durchweg hervorragend und sogar in Nebenrollen oft prominent besetzt. Die zweite deutsche (und erste Gesamt-)Synchronisation des überragenden Perry-Mason-Sprechers Engelbert von Nordhausen ist kongenial. Urteil: Alle sehenswert! Kein Makel? Doch: Ausstattung durch Paramount ärmlich und frech: Nämlich keine. Kein Hintergrund, keine Informationen, keine Daten, keine Credits, kein Booklet, kein Bonus - nichts. Um nicht zu sagen: Gar nichts. Trotzdem unbedingt kaufen. Und auf DVD Nr.2 hoffen.
Hast du Töne!? Ja: zum Beispiel ROMEO.
Nacht (und kein Gefühl)? Doch. Viel.
Auf den wunderbaren neuen deutschen Wellen Anfang der 1980er Jahre kam auch dieser Sänger namens Romeo an den Strand unter dem Pflaster. Mit einer Stimme so rauh wie der Wind über den Wogen, mit ganz eigentümlichen Liebesliedern, so süß und salzig wie alle Wasser der Erde. Mit einer wissenden Trauer ob der immer möglichen Vergeblichkeit auch der ganz großen Liebe, um die man so viele Tränen weint, daß sie ein Ozean für sich sind. Und mit einer Ahnung von Unendlichkeit hinter dem Horizont aller Meere und Nächte. Großartig.
Aber nie wieder hat man von Romeo gehört. Verschollen. Ertrunken? Hoffentlich im Glück. Und, Romeo, wenn Du dies hier liest: Komm zurück, komm bald wieder!
P.S.: Mein Aufruf wurde erhört (28. März 2008): Romeo lebt! Ob seine Musik wieder auflebt? Und wann wird das Album endlich auf CD wiederveröffentlicht? Es wird jetzt höchste Zeit!
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Über den Autor Hubert Maessen (sprich: Maaßen).
Hubert Maessen, 1947 geboren in Düsseldorf als niederländischer Staatsbürger. Studium von Politologie, Soziologie und Philosophie in Marburg und Bochum.
Autor und Herausgeber etlicher Bücher zu Themen des Zeitgeschehens, zum Beispiel: "Was wollen die Schüler?" (1969), "Was wollen die Lehrlinge" (1971), "Kriegsdienstverweigerer" (1971) – diese und noch mehr Publikationen bei "Fischer Taschenbücher" zusammen mit Hans-Jürgen Haug (Haug/Maessen!) Weitere Publikationen u.a.: "Der Sprayer von Zürich: Kölner Totentanz" (1982); "Harry Walter: 60, Die Biographie des Vaters der politischen Werbung in Deutschland" (1989); "... und dann kommst du nach Hause – Leben und Wohnen im Revier" (1995); "Platz, Hirsch! – Die verborgenen Befehle unserer Sprache" (2001 mit Jakob Moeller); "Das Rad immer wieder neu erfinden" (2006).
Seit 1967 ständiger Mitarbeiter des Westdeutschen Rundfunks in Köln. Autor zahlreicher Beiträge der WDR-Reihe "ZeitZeichen", vieler Features und von TV-Dokus. Moderator in Sendungen zum Zeitgeschehen, Kommentare und Glossen in Programmen des WDR, gelegentlich auch im DLF und auf anderen Wellen der ARD.
Vor allem in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts Exkursionen in kommerzielle Werbung (Autoradios! Schokolade! Gelbe Zettel! Mode! Corporate Identities! Tapeten! Medikamente! Solingen! Zigaretten!) und in die Politik mit Kampagnenberatung, zum Beispiel für Bundeskanzler Helmut Schmidt im Wahlkampf 1976, für Johannes Rau und andere, auch im sogenannten Ausland.
Private Geheimnisse: Seit 1992 Ehrenbürger von Little Rock, Arkansas, 1999 in Las Vegas, Nevada, von Pastor Eugene Buddy Yates getraut mit Hulda M. und dadurch auch gesegnet mit 12 bunt gemischten Stiefkindern nebst bis zu dito 9 (Stief-)Hunden, 4 Katzen, 3 Stiefenkeln und 5 Wellensittichen. (GS/PJM)
Was die alles wissen! (oder auch nicht ...)
Rätsel! Wer hat das gesagt?: "Weder aus Frankreich, noch aus England, noch aus Deutschland dürfen Sie Einwanderungsländer machen. Das ertragen diese Gesellschaften nicht. Dann entartet die Gesellschaft …" (12.9.1992, Frankfurter Rundschau) Kleine Hilfe: Kardinal Meisner war es nicht!
Nachrichten laufend aktuell!
Endlich!
Eine schöne schlaue Konkurrenz für Google. Mit praktischen und ansehnlichen Features. Unbedingt ausprobieren. Es gibt ein Surfen außer Google. Dem Himmel sei Dank.